Was ist Gestalttherapie?

Schwangere beim Pilates am Strand (© chupacabra – stock.adobe.com)

Was ist Gestalttherapie? – Ein fast vergessenes Interview mit dem Begründer der Gestalttherapie Fritz Perls.

In den 1960er Jahren fand sie klassisch am Boden sitzend auf und mit Kissen statt. Daher kommt noch der Ausdruck „Kissenarbeit“, welche heute auch mit Stühlen stattfinden kann.

Die Gestalttherapie ist eine Form der humanistischen Psychotherapieformen. In meiner Arbeit als Therapeutin, Coach und systemischer Prozessbegleiterin hat die Gestalttherapie einen wesentlichen Anteil. Sowohl bei IMpuls®-Körper-Gestalt-Coaching, als auch in der systemischen Prozessbegleitung (Gestalt-Aufstellungen), bildet sie eine wesentliche Grundlage und Ergänzung.

Doch was genau ist Gestalttherapie eigentlich? Was ist das besondere und wie funktioniert sie genau? Die Gestalttherapie (kurz auch nur Gestalt) arbeitet immer im Kontakt mit „ICH und DU“ (Therapeut und Klient) und arbeitet im „HIER&JETZT“.

Gestalttherapie ist:

existentiell (sie integriert auch den Tod, beinhaltet das Wissen, dass wir mehr als unser Körper sind, mehr als nur ein Sack Zellen),

phänomenologisch (sie orientiert sich am Offensichtlichen, „die Gestalt“ ist das was auffällt) und sie ist

experimentell (Fritz Perls war ein Freund davon „bevor wir lange reden, lass uns mal was ausprobieren“, er hasste es sich zu langweilen und wollte lebendige Erfahrungen im Klienten erlebbar machen).

In diesem Artikel bzw. Interview von Fritz Perls und einer Journalistin zeigt er sehr genau, wie er seine Arbeit versteht. Entstanden in den wilden 1960er Jahren, damals arbeitete man noch klassisch am Boden mit Kissen. Heutzutage kann das Ganze auch in Sesseln und mit Stuhlarbeiten stattfinden. Verschiedene Möglichkeiten der Umsetzungen, je nach Klient und Situation. Das Mittel der Wahl ist immer der Kontakt bzw. die Resonanz. Das Ziel ist es die sogenannte „Gestalt“ (das was auffällt) zu schließen, sprich zu integrieren. Der Klient erlebt über Erfahrung mehr Bewusst-SEIN und lernt sich selbst, sein SELBST besser kennen. Dies führt zu mehr Freiheit und Authentizität.

Viel Freude beim Lesen des Interviews, eine kleine Zeitreise in die Ursprünge der Gestalttherapie.

Was ist Gestalttherapie? Das Interview!

Zur Originalquelle geht es hier!
Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik (Heft 2-1996):
  
Fritz Perls:
Was ist Gestalttherapie?
Ein fast vergessenes Interview
von Adelaide Bry
 
Hinweis:
Fritz Perls: Autobiographische Stichworte (deutsche Erstveröffentlichung)
 
Etliche Briefe, viele Faxe und noch viel mehr Telefonate über den Atlantik und zurück. Und dann endlich hatten wir den Rechte-Inhaber dieses Interviews ausfindig gemacht. Ein erstes freundliches Telefongespräch mit Max Gartenberg, der nach dem Tod von Adelaide Bry die Rechte ihrer Familie vertritt. Und dann – die Abdruckerlaubnis.

Aufregend, dieses historische Dokument zum ersten Mal den deutschen Leserinnen und Leser präsentieren zu können. Übersetzt von Ludger Firneburg.

Dank an dieser Stelle besonders an Max Gartenberg und auch an Joe Wysong vom Gestalt Journal in den USA, der uns hilfreiche Informationen gab.

Das Interview ist undatiert. Wahrscheinlich entstand es Ende der 60er Jahre.

Ob Adelaide Bry nach diesem Interview wirklich von ihrer Flugangst „geheilt“ war, konnten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen.

Der Herausgeber.

P.S. Gerne weisen wir Sie an dieser Stelle auf das Buch „Was ist Gestalttherapie?“ von Fritz Perls hin. Es wurde von Anke und Erhard Doubrawa in der Edition des Gestalt-Instiuts Köln / GIK Bildungswerkstatt im Peter Hammer Verlag herausgegeben.

Das Interview
Bry: Dr. Perls, was ist Gestalttherapie?

Fritz! All das Diskutieren, Reden und Erklären erscheint mir unwirklich. Ich hasse es, zu intellektualisieren, Sie nicht?

Bry: Manchmal, aber ich möchte Sie interviewen. Ich würde gerne etwas über Gestalttherapie erfahren. Also…

Fritz! Lassen Sie uns etwas anderes versuchen. Sie sind die Patientin. Seien sie echt, keine Intellektualisierungen mehr.

Bry: Nun gut, wenn Sie meinen, versuch ich’s. Ich versuche, die Patientin zu sein. Also, was ich sagen würde ist folgendes:

„Dr. Perls, mein Name ist Adelaide, und ich komme zu ihnen als Patientin. Ich bin depressiv und ich habe diese körperliche Angst vorm Fliegen. Meine Hände werden feucht und mein Herz schlägt schneller.“ – Was nun?

Fritz! Innerhalb von fünf Minuten werde ich Sie von Ihrer körperlichen Flugangst befreien.

Bry: Oh, wirklich? Sehr gut. Wie wollen Sie das anstellen?

Fritz! Schließen Sie Ihre Augen. Steigen Sie in das Flugzeug. Vergegenwärtigen Sie sich, daß sie nicht in einem richtigen Flugzeug sitzen, es geschieht nur in Ihrer Phantasie. Die Phantasie wird Ihnen helfen zu sehen, was Sie beim Fliegen erleben.

Bry: Mein Herz beginnt, schneller zu schlagen…

Das ganze Interview finden Sie auf der Seite http://www.gestalt.de/gestalttherapie.html

Gerne weisen wir Sie an dieser Stelle auf das Buch „Was ist Gestalttherapie?“ von Fritz Perls hin. Es wurde von Anke und Erhard Doubrawa in der Edition des Gestalt-Instiuts Köln / GIK Bildungswerkstatt im Peter Hammer Verlag herausgegeben.

Quelle: Internet: http://www.gestalt.de/gestalttherapie.html

Was ist Gestalttherapie? Inspirierende Zitate zur Gestalttherapie!

Im Rahmen von IMpuls® spielt die Gestalttherapie eine nicht unerhebliche Rolle, auch wenn es sich um ein IMpuls®-Coaching handelt. Die folgenden Zitate der Ur-Mütter und -Väter der Gestalttherapie vermitteln einen guten Einblick in das Wesen und das Menschenbild des Ansatzes:

Fritz Perls

„Die Vergangenheit ist vorbei, und doch tragen wir im Jetzt unseres Seins vieles aus der Vergangenheit mit uns, doch nur soweit wir unerledigte Situationen haben. Was in der Vergangenheit geschah, wurde entweder assimiliert und zu einem Teil von uns, oder wir tragen es als unerledigte Situation, als unvollendete Gestalt mit uns herum.“ (1969)

„Gewahrsein ist freies Erspüren dessen, was in dir auftaucht, was du tust, fühlst oder vorhast. Sie ist ein Grundelement und eine umfassende Ganzheit. Ohne Bewusstheit gibt es keine Kenntnis einer Wahlmöglichkeit.“ (1976)

„Veränderungen finden von allein statt. Wenn wir tiefer in das eindringen, was wir sind, wenn wir akzeptieren, was da ist, kommen die Veränderungen von allein. Das ist das Paradoxon der Veränderung.“

„Gestalt ist keine Technik, kein therapeutisches Schnellverfahren, sondern ein ernsthafter Weg sich selbst zu finden und zu wachsen. Wachstum ist aber ein Prozess, der Zeit braucht. Gestalttherapie erfordert eine Haltung, die nicht in zwei Monaten erworben wird, sondern ein langes ernstes Training, in dessen Zentrum die Entwicklung der Persönlichkeit steht.“

„Die Philosophie der Regeln soll uns effektive Mittel dafür liefern, das Denken mit dem Fühlen in Einklang zu bringen. Sie sind dazu gedacht, uns beim Aufdecken von Widerständen zu helfen, eine größere Bewusstheit zu fördern, kurz, den Reifungsprozess zu unterstützen.“ (1980)

„Lose your mind and come to your senses.“

Gestalt-Gebet
„Ich tu das Meine; und du tust das Deine.
Ich bin nicht auf dieser Welt, um deinen Erwartungen zu entsprechen.
Und du bist nicht auf dieser Welt, um meinen Erwartungen zu entsprechen.
Du bist du, und ich bin ich, und wenn wir uns zufällig finden, – wunderbar.
Wenn nicht, ist das nicht zu ändern.“ (1969)

Laura Perls

„Was immer existiert, ist hier und jetzt. Die Vergangenheit ist gegenwärtig als Erinnerung, Nostalgie, Bedauern, Ressentiment, Phantasie, Legende, Geschichte. Die Zukunft existiert in der aktuellen Gegenwart als Vorwegnahme, Planung, Probehandeln, Erwartung, Hoffnung oder Furcht und Verzweiflung.“

„Für mich ist es wichtig, keine therapeutische Rolle zu spielen, sondern dem Klienten so zu begegnen, wie ich im Augenblick bin: mich mit meinem Hintergrund, mit allem, was mir an Erfahrung, Wissen und Geschick zur Verfügung steht, in der gegebenen Situation in den Dienst des Dialoges, der Begegnung zu stellen.“

Miriam und Erving Polster

„Wohlwollen und Achtung der Therapeutinnen und Therapeuten sind es, die es den Klientinnen und Klienten in der Gestalttherapie ermöglichen, sich angstfrei zu öffnen und so neue und bereichernde Erfahrungen zu machen.“

„Der Gestalttherapeut ist in Bewusstheit und Interaktion ein menschliches Wesen. Für ihn gibt es kein reines Patiententum. Es gibt nur den Menschen in Beziehung zu seiner sozialen Umwelt, der sich zu entwickeln versucht, indem er alle Aspekte seines Selbst integriert.“

Bruno-Paul De Roeck

„In der Gestalttherapie unterscheidet man nicht zwischen Gesunden und anderen Kranken. Gestalttherapie, oder einfach nur „Gestalt“, ist vielmehr eine Lebenseinstellung, die praktische Konsequenzen hat. Es geht um dich und mich und um unsere Erfahrung hier und jetzt. Wachstum ist hier das richtigere Wort als Therapie. Wachstum: spontaner, lebendiger und glücklicher sein. Deinen eigenen Kern mehr wertschätzen. Halberledigtes vollenden und neue Schritte wagen.“

„Elefanten versuchen nicht Giraffen oder Schwalben zu werden, Radieschen versuchen nicht Rote Beete zu werden. Aber wir versuchen zu sein, was wir nicht sind. Wir ersticken in Idealen, die unerreichbar sind oder die nur auf unsere eigenen Kosten erreicht werden können. Wir gehen auf Zehenspitzen, um nur ja nirgendwo anzustoßen, und werden schließlich ärgerlich auf unsere Zehen, wenn sie uns weh tun.“

„Ein gesunder Mensch ist für mich jemand, der guten Kontakt zur Realität hat: zu der großen und der kleinen Welt um ihn herum und in ihm selbst. Ich selbst sehe mich genau dazwischen: zwischen gesund und krank sein. Manchmal neige ich mehr nach links, manchmal mehr nach rechts. So geht es wohl den meisten Menschen, denke ich.“

„Von der Psychotherapie erwartet man, dass sie Menschen anpasst und sie wieder in das gesellschaftliche Joch einspannt. Gestalt versucht, angepasste Menschen, die in ihrem Joch nicht zufrieden sind, wieder auf eigene freie Füße zu stellen.“

Barry Stevens

„Don’t push the river. It flows by itself.”

Gestalttherapie erfahrbar bei ANNAROBIC

Mit IMpuls®-Körper-Gestalt-Coaching/Therapie und systemischer Prozessbegleitung begleite ich Sie gerne auf Ihrem Weg.

Ich sehe mich als Wegbegleiterin bei Veränderungsprozessen wie körperlichen Beschwerden, psychischen Problemen und herausfordernden Lebenssituationen im beruflichen wie privaten Bereich.

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ F. Kafka

Stehen Sie gerade an einer Weggabelung in Ihrem Leben? Gibt es Dinge, die Sie in Veränderung bringen möchten? Dann ist es Zeit für einen Perspektivwechsel. Nehmen Sie gerne mit mir Kontakt für ein Erstgespräch auf. Ich freue mich auf die persönliche Begegnung mit Ihnen. Gerne finde ich einen zeitlich passenden Termin für Sie!

Heilpraktikerin Anna F. Rohrbeck
2018-07-06T19:38:23+00:00

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